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Fünf Dinge, die man über die Christiane F. Foundation wissen muss

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Christiane F. hat sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – damit anderen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, initiierte sie die “Christiane F. Foundation”.

Es ist soweit. Ein halbes Jahr nach Erscheinen von „Christiane F. – Mein zweites Leben“ nimmt die „Christiane F. Foundation“ ihre Arbeit auf. Statt mit viel Tamtam, Blitzlichtgewitter und der eindrucksvollen Inszenierung der Namensgeberin beginnen wir da, wo alles seinen Anfang nahm, und wo wir etwas erreichen wollen: mitten in der Community.

Anstoß zur Gründung der Foundation ist nämlich vor allem der Umstand, dass Christiane Felscherinow weltweit Menschen vereint, die sich in ihrem Schicksal wiedererkennen, und die sich durch sie dazu ermutigt fühlen, so offen mit dem Thema Sucht umzugehen, wie sie selbst.

Christiane sieht Verantwortung bei sich, ihr Name und ihre Person bewegen und beeinflussen, weil sie auf Augenhöhe wirken, nicht von oben herab. So wollen auch wir, das Foundation-Team, Menschen begegnen, die Ansprechpartner und Hilfe suchen.

Bevor es mit den Aufrufen für Spenden losgeht, auf die wir als gemeinnützige Institution angewiesen sind, wollen wir Euch daher in Kürze die wichtigsten Fakten zur „Christiane F. Foundation“ (CFF) vorstellen. Zögert nicht und stellt eure Fragen.

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Nach 35 Jahren hatte Christiane Felcherinow sich mit ihrer Autbiografie “Mein zweites Leben” zurück gemeldet. Das mediale Interesse war und ist bis heute groß. Diese Aufmerksamkeit will Christiane für die Foundation nutzen

Euer CFF-Team

1. Hat die echte Christiane F. mit der Stiftung zu tun?

Ja. Christiane Felscherinow ist Initiatorin der Foundation. Sie wirkt im Beirat, hält sich aber aus gesundheitlichen Gründen weiter aus der Öffentlichkeit zurück.

2. Für wen ist die „Christiane F. Foundation“?

Die „Christiane F. Foundation“ richtet sich an alle Menschen, die unter irgendeiner Substanzmittelabhängigkeit oder anderen Sucht leiden. Sie kämpft nicht primär gegen Süchte an, sondern setzt sich für ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben ein. Sie will Betroffenen dabei helfen, eigenständig Gründe zu entwickeln, sich vor Sucht zu schützen oder aus einer Abhängigkeit herauszukämpfen.

3. Was macht CFF anders als andere Suchthilfeeinrichtungen?

CFF ist politisch undogmatisch und versteht sich vorwiegend als Dialogplattform sowie Institution für Hilfe zur Selbsthilfe. Wir setzen bei allen Projekten und Veröffentlichungen auf eine ergebnisoffene Debatte, nicht auf eine bestimmte politische Haltung. Obwohl die Politik ein wichtiger Adressat und Partner der „Christiane F. Foundation“ sein soll, setzen wir auf eine breite Finanzierung, um neutral und unabhängig zu bleiben. Vor allem private Spenden sollen dafür sorgen, dass CFF immer eine authentische Bewegung und eine Stimme der Betroffenen und Angehörigen bleibt.

4. Welche Projekte gibt es?

CFFLOGOZunächst einmal weitet CFF den Dialog zum Thema Sucht aus – in den Sozialen Netzwerken, aber auch in Form eines interaktiven Themenportals, das derzeit in Entwicklung ist. Wir setzen auf Innovation und kreative Formen der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Dazu planen wir unter anderem Onlinespiele und Spiele-Apps, die – mit Einverständnis des Users – zu Zwecken der Forschung auch anonym gesammelt und aufbearbeitet werden können.

CFF bildet darüber hinaus „Christiane F. Angels“ aus. Ehemals Süchtige werden durch das Programm in alle Arbeitsprozesse der Foundation integriert. Ihr Know-How als Sucht-Experten ist für uns unerlässlich. Im Gegenzug bieten wir Möglichkeiten zur Teilhabe und Perspektiven. Wir suchen auch noch Unternehmen, die uns als Partner dabei unterstützen, ehemalige Abhängige in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren.

5. Wie kann ich die CFF unterstützen?

Wir wollen vor allen Dingen politisch unabhängig bleiben und uns authentisch für einen Perspektivwechsel in der Gesellschaft sowie den vorurteilsfreien Umgang mit dem Thema Sucht einsetzen. Dazu brauchen wir mindestens 5000 CFF-Dauerspender (5 Euro /Monat). Als Dank erhalten diese die Fan-Edition von „Christiane F. – Mein zweites Leben“ umsonst.
Seid dabei. Helft helfen.

 

 


Ich verabschiede mich!

Markus Lanz ist schuld! Zweifach sogar – mit dieser Aussage treffe ich doch den Zahn der Zeit oder etwa nicht? Das soll aber kein Scherz sein. Markus Lanz ist tatsächlich schuld.

Oder sagen wir: Er brachte den Stein ins Rollen, dass ich nun nur noch in Ruhe alt werden und fürs Erste weder diesen Blog weiterführen, noch weitere Interviews geben möchte.

Nicht wegen seiner Fragerei, die jetzt viele so dreist finden, nein. Nein! Herrje, schaut euch mal unseren Auftritt bei „Deutschland Akut“ an. Danach haben Leute sich beschwert, Claus Strunz habe mich nie ausreden lassen. Aber ich fand das gar nicht so schlimm. Das muss doch flott sein. Ist doch deren Job. Ist doch sonst langweilig!

Lanz lud mich kurz vor Weihnachten in seine Talkshow ein. Eine nette Frau aus seiner netten Redaktion hatte vorab ein nettes Vorgespräch mit Sonja Vukovic und mir geführt. Zu der Zeit ging es mir aber schon gar nicht gut. Und damit meine ich: noch schlechter als sonst.

Wer „Mein zweites Leben“ gelesen hat, weiß wovon ich spreche – von der Leberzirrhose, dem Erbrechen, dem ständigen Schwitzen, der Bettlägerigkeit.

Seit ein paar Wochen bin ich nicht einmal mehr in Methadonbehandlung, weil ich es einfach nicht mehr vor die Türe schaffe. Ich schlafe viel. Und lese. Mir läuft der Schweiß runter, sobald ich mich auch nur anziehe – selbst bei den Minusgraden, die wir gerade haben.

Alles tut weh.

Trotzdem setzte ich mich Mitte Dezember mit Sonja in den Zug nach Hamburg. Irgendwie fühlte ich mich verpflichtet, das zu tun. Vor allem für die Fans,  die mir so nette Briefe und Facebook-Nachrichten schreiben und denen ich gar nicht allen antworten kann. Für die ich keine Lesereisen machen kann.

Doch ich sprang eine Haltestelle zu früh einfach aus dem Zug und lief weg, ohne jemandem zu sagen, wohin und warum. Ich wusste es in dem Moment selbst nicht einmal richtig. Ich schaltete mein Handy aus, tauchte unter. Sonja und der Verlag standen ziemlich blöd da und machten sich große Sorgen. Sie suchten mich in der ganzen Stadt, erzählten mir später, wie enttäuscht Natja Brunckhorst gewesen war.

Brunckhorst spielte meine Rolle in “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” und Lanz hatte auch sie mit in die Sendung eingeladen. Wir haben uns tatsächlich nur einmal kurz persönlich gesehen – nie richtig kennen gelernt! Und sie war extra spontan nach Hamburg gekommen, um mich bei Markus Lanz das erste Mal zu treffen. Doch nun war ich nicht da.

Ich lief etwas durch Hamburg, wusste nicht so recht, wohin mit mir. Nahm dann den nächstbesten Zug zurück nach Berlin. Ich war pitschnass geschwitzt und fühlte mich schlapp, legte mich in mein Bett und da wurde mir klar, dass ich das einfach nicht mehr kann:

Ich kann nicht mehr damit umgehen, mir Gedanken um mein Outfit machen zu müssen und um das, was ich sage. Souverän zu wirken, obwohl es mir hundsmiserabel geht. Ich pendle zwischen dem Glamour der TV-Studios in Hamburg und Paris und dem Gammel im Berliner Obdachlosenheim, wo Freunde von mir leben, die ich dort auch besuche. Selbst einen Arzt aufzusuchen überfordert mich. Weil ich dann verpflichtet bin, zu tun, was er sagt. Weil er mich wieder sehen will und ich Termine einhalten muss. Schon das ist für mich nicht einfach – und dann gibt es da Reporter und Dokumentarfilmer, die mich am liebsten wochenlang begleiten wollen?!

Ich bin eine kranke Frau Anfang 50. Ich kann nicht einmal längere Strecken mit der Bahn fahren, ohne dass ich drei Mal aussteigen muss. Es ist mir zu voll da drin, zu laut, zu warm.

Ach, ich bin einfach kein Promi, wie ihr ihn sonst so kennt. Viele Erwartungen kann ich einfach nicht erfüllen. Die Spannung zwischen meiner Lebensrealität und dem Anspruch der Leute an mich, all das, was viele in mir sehen wollen und was ich einfach nicht bin und nicht leisten kann, wird mir jetzt manchmal einfach zu groß.

Trotzdem habe ich es genossen, noch einmal eine Stimme bekommen zu haben. Viele Menschen waren sehr nett zu mir und es hat Spaß gemacht mit euch! Es ist auch toll, durch die Veröffentlichung meiner Autobiografie wieder in Kontakt mit alten Bekannten und Familienmitgliedern gekommen zu sein – einige davon gehe ich jetzt erst einmal besuchen.
Ich habe jetzt eigentlich auch alles gesagt. Meist stellt man mir doch nur noch dieselben Fragen. „Mein zweites Leben“ beantwortet alles.

Mein Problem ist: Sobald man den Vorstellungen der Leute nicht entspricht, wird man angefeindet. Vor allem im Internet, wo die Leute anonym sind und ohne Konsequenzen ihren Frust und ihren Hass loswerden können, ohne Rücksicht auf andere, macht mir das Angst.
Ich hatte Angst, dass mir genauso so etwas passiert, wie jetzt dem Lanz! Deshalb war ich nicht in seine Show gegangen. Jetzt geschieht ausgerechnet ihm so etwas. Das ist der zweite Grund dafür, dass ich mich definitiv entscheide, mich erst einmal wieder aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen.

Es darf doch nicht sein, dass einer öffentlich so fertig gemacht wird, nur weil er manchen nicht passt! Ich dachte, solcher Geschichten seien wir in Deutschland überdrüssig geworden. Da steht ein Mensch am anderen Ende – geht’s noch?!
Ich glaube nicht, dass das in Ordnung ist, dass so etwas Banales wie persönlicher Frust sich wie ein Lauffeuer verbreiten und zu Lasten einer Person die Gemüter einer unbekannten Masse erhitzen darf. Ich habe es schon erlebt und ich habe große Angst davor, dass anonyme Kritiker über mich urteilen und mir im Internet einen Prozess machen.

Und weil ich unter dieser Angst leide und derzeit nicht die Kraft habe, mich dagegen zu stellen, ziehe ich mich erst einmal zurück. Was bleibt, ist die Christiane-F-Stiftung, die wohl eine tolle Sache wird und von der ihr sehr bald mehr hören werdet – vielleicht dann, irgendwann, wenn der Frühling kommt oder meine Sorgen gehen, auch wieder von mir.

Bis dahin alles Gute und danke für alles.

Eure Christiane


Wie ein Pastorensohn wegen mir zum Alkoholiker wurde

Nach “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” bekam ich einen Ausbildungsplatz in der Branche, der ich viel verdanke: Joachim Ruschke und Sohn Jörg stellten mich ein. Da war ich 16, mehrfach vorbestraft und brachte das Chaos in die beiden Buchläden, die die zwei gemeinsam im norddeutschen Kaltenkirchen und in Hamburg führten. Es war eine echte Überraschung, jetzt, 35 Jahre später, Ruschke junior bei der Frankfurter Buchmesse wieder zu treffen. Er erinnerte sich an eine turbulente Zeit:

Ruschke“Es meldeten sich bei uns im Buchladen in Kaltenkirchen eines Tages zwei Kriminalbeamte. Sie deuteten an, in einem brisanten Fall einen Vorschlag zu einer Amtshilfe machen zu wollen. Es gäbe eine junge Frau aus Berlin, die den Wunsch hat, eine Ausbildung zur Buchhändlerin zu machen. Die Berlinerin sei allerdings mehrfach vorbestraft und galt als nicht ganz einfache Person.

Bei einem zweiten Besuch brachten sie das Mädchen mit. Christiane hat uns sofort überzeugt. Sie schien frech. Zwar etwas verloren, aber auch ehrlicher, schlagfertig. Sie hatte unglaublichen Charme, war clever und interessiert – wunderbare Voraussetzungen für eine Branche, in der sonst so viel so abgestaubt ist.

Am 6. September 1979 unterschrieben wir ihren Ausbildungsvertrag.

Der andere Auszubildende im Betrieb verliebte sich unsterblich in Christiane. Er war der Sohn eines Pastors und hatte jeden Morgen eine neue Überraschung für seine Kollegin bereit. Er wollte Christiane beeindrucken und hatte eine Menge Ideen, seine Liebe zu zeigen. Allerdings trieb er es etwas zu weit, als er eines Morgens mit einer Fahrradkette um den Hals in den Laden kam.

Christiane sah ihn an, schüttelte den Kopf und bezeichnete ihn knallhart als schwachsinnig. Der junge Mann war natürlich kein Punker, er hatte aber mitbekommen, dass Christiane auf Punker stand und in den Kreisen verkehrte. Er kam aus einem heilen Elternhaus. Christiane forderte ihn auf, er solle sofort mit diesem Quatsch aufhören. Der Pastorensohn war tief getroffen und fiel über Wochen wegen erheblicher Alkoholprobleme aus. So bekam die Geschichte durchaus tragische Züge. Der Pastorensohn verfiel dem Alkohol und wurde Jahre später in einer Fußgängerzone als Obdachloser wieder angetroffen.

Das war aber nicht der einzige Ärger, den Christianes Arbeit bei uns verursachte. Ständig kreuzten Fans und Fanatiker bei uns auf – oder Journalisten, die vorgaben, Kunden zu sein. Eines Tages kamen ein Herr und eine Dame zu uns und ließen sich von Christiane beraten. Sie gaukelten vor, an Kinderbüchern interessiert zu sein. Irgendwann platzten Sie mit der Wahrheit raus: es waren zwei Bild-Reporter! Christiane flippte aus und schmiss sie raus”

Dennoch war es eine wunderbare Zeit und ich freue mich für Christiane, dass sie der Branche treu geblieben ist!”